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Aus dem Unterricht

Pilotprojekt Schülerfirma

Nach der Vorstellung unserer Projektgruppe in der Mitgliederversammlung des Fördervereins (Juni 2021) entstand vom Vorsitzenden Udo Dittmann ein sehr wertschätzender Bericht über unsere Arbeit. Leider haben wir ihn bisher nicht veröffentlicht, da einige Details in die richtige Reihenfolge gebracht oder verändert werden mussten.

So ist aber nun, durch seinen Anstoß und unter Mitarbeit der Schüler*innen und Frau Tolo-Litschgy, die das Projekt stundenweise begleitet, folgender Gemeinschaftsbericht entstanden:

Die Idee zur Gründung einer Schülerfirma entstand, so Frau Hesse, bei dem Besuch einer Veranstaltung im Schloss im Februar 2020, bei der sich Schülerfirmen aus verschiedenen Schulen vorstellten. Ihr fiel auf, dass viele Schülerfirmen mit fertigen Produkten handelten, oder z.B. im Mensabereich tätig waren. Könnte man nicht auch selbst etwas herstellen? So war ihr Gedanke.

Kurz danach begann die Corona-Zeit, die sie für die Planung des Projektes nutzte. Mit weiteren Kolleginnen wurde ein Konzept verfasst. Es wurde sehr schnell deutlich was sich für ein breites handlungs- und prozessorientiertes Lernfeld in Aussicht stellte. Fachkompetenz, Sozialkompetenz und Persönlichkeitskompetenz könnten dadurch in höchstem Maße bei den Schüler*innen aktiviert werden. Man denke z.B. an Bereiche wie Marketing (von der Idee zur Firma), Werbung, Buchhaltung, Nachhaltigkeit, oder an das Nähen selbst. Eine wahre Schatztruhe. Das für 2 Jahre angedachte Pilotprojekt wurde der Oberstufenkonferenz vorgestellt und fand durch die Genehmigung im Vorstand Zustimmung. Im Schuljahr 2020/21 war es dann so weit. Es konnte losgehen …
In der Planung hatten wir allerdings nicht mit der Hartnäckigkeit der Pandemie gerechnet, und so gestaltete sich der Start recht holprig. Trotzdem waren die Schüler*innen zu jeder möglichen Gelegenheit beherzt im Einsatz.

Eine „Bedarfsanalyse“ ergab, dass tatsächlich ein großes Interesse an Nähprodukten im Kindergarten Rudolf Steiner Straße bestand. Nun musste auch noch an das Kaufmännische gedacht werden, d.h. es mussten zahlreiche Planungen für Preise, Verkauf usw. durchgeführt werden. Hierfür erhielten Frau Hesse und die Schüler*innen Beratung und Hilfe von Herrn Blümel. Es musste also nicht nur genäht, sondern auch gerechnet werden. Alle Prozesse der Herstellung bis hin zur Kalkulation wurden „be-greiflich“ gemacht. Die Stimmung in der Gruppe war immer gelassen und manchmal auch sehr lustig, so berichtet Frau Tolo-Litschgy: „Ich denke z.B. an den Tag, an dem 2 Schüler*innen eine Kostenrechnung aufstellten und darauf kamen, dass einfach schneller genäht werden sollte. Nur so könnte der Preis der Einzelstücke gedrückt werden und alles kostengünstiger verkauft werden. Sie stellten fest, dass sie die Fließbandarbeit wiederentdeckt hatten! Was für eine wunderbare Möglichkeit, um sich selbst und die Gesellschaft kritisch zu reflektieren!“

Und die Schüler*innen? Im ersten Jahr waren wir vor allem damit beschäftigt Produktbeispiele für unsere Geschäftsidee zu entwickeln und für eine 1. Präsentation anschaulich zu machen. Wir starteten diese ersten Versuche ausschließlich aus Materialspenden, vor allem aus alten Hemden und Bettwäsche, sowie Stoffresten.

Die Hauptidee unserer Projektgruppe ist die Nachhaltigkeit:

Die Verwendung bereits vorhandener Materialien, die durch die Weiterverarbeitung ein langes Leben erhalten und so nicht so schnell in den Abfall- und Recyclingkreislauf wandern. Unsere Idee war zunächst schlicht und einfach: Wir nähen Kinderschürzen aus alten Hemden. Auf diesen soll der Name stehen. Damit hoffen wir in einen Kreislauf zu treten: Ein Kind kommt in den Kindergarten und erhält eine Schürze mit seinem Namen. Wenn es geht, nimmt es die Schürze mit und eine neue wird gebraucht.

Aus der Bedarfsanalyse und Ideensammlung, vor allem aber schließlich aus der begeisterten Resonanz nach unserem ersten Echttreffen mit dem Kindergarten, entstand viel mehr. Gewünscht ist nun ein ganzes Set für die Kindergartenkinder: Eine Schürze, eine Tasche für Wechselsachen und ein kleiner Beutel für Eurythmieschuhe. Wie das alles aus einem Hemd möglich sein soll? Wie sich diese Idee entwickelt und ob sie sich bewährt? Auch davon wollen wir berichten. Aber zunächst kam durch unsere Präsentation die Nachfrage von 22 Sonnenhüten dazwischen, die aus den Resten der Reste entstanden sind und noch im Sommer ausgeliefert werden sollten. Davon erzählen unsere Bilder. Schon jetzt zeigt sich, dass wir uns über Bedarf und Aufträge vorerst keine Sorgen machen müssen. Wir haben die Sonnenhüte ausgeliefert, Buchhüllen mit persönlichem Monogramm als Geschenkserie für alle Mitarbeiterinnen des Kindergartens genäht und arbeiten nun weiter an unseren „Sets“ und einem Satz Schürzen für den Werkunterricht.

Wir sind noch keine „eingetragene“ Schülerfirma, trotzdem bleibt der Wunsch, dass es weitergeht. Wir hoffen, dass sich der Kundenkreis auch auf die Kindergärten in unserem Umkreis, die nicht „Waldorf“ sind, ausweitet.

Herr Dittmann schloss seinen Bericht mit folgenden Worten: „Mal sehen, wie es weiterläuft. Zur Zeit sieht es gut aus. Frau Hesse stellte ihr Projekt mit viel Schwung und Begeisterung vor. Man kann sich vorstellen, dass so auch das Projekt gut laufen kann. Bisher hatte es an der Waldorfschule – mit Ausnahme eines Kioskprojektes – noch keine Schülerfirma gegeben. Wir wünschen dem Pilotprojekt alles Gute. Vielleicht ist es ja auch ein Anstoß für weitere Projekte …“

Ein Bericht von U. Dittmann, D. Tolo-Litschgy und ­A. Hesse, mit den Schüler*innen Alexandra, Damaris, ­Henry, Leonie und Luis aus der 12. Klasse

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