Schüler erzählen...
Was ist bei uns anders?
Die meisten Leute wissen, was ein Gymnasium ist, aber sie wissen nicht, was eine Waldorfschule ist. In diesen zwei Schulen gibt es Unterschiede, die man überhaupt nicht miteinander vergleichen kann: In einem Gymnasium hat man viele Hausaufgaben. Man schreibt andauernd Arbeiten oder Tests. Die sind häufig sehr schwer gewesen.
In einer Waldorfschule ist nicht alles so angespannt, man hat mehr Freiheiten und mehr Spaß am Unterricht. Man hat in den unteren Klassen auch weniger bzw. andere Hausaufgaben.
Es wird auch alles anders erklärt. Hier schreibt man nicht so viele Tests oder Arbeiten; und wenn doch, dann sind die anders und teilweise nicht so schwer. Vor allem sind die Lehrer hier freundlich. Und das ist wichtig. Jedenfalls für mich. Ich möchte sehr betonen, dass der Pausenhof schön gestaltet ist. Man kann in den Pausen alles machen, und einfach abschalten. In der Hauptschule hatte man jeden Tag Mathematik, Deutsch, Biologie, Physik und es gibt Werte und Normen, evangelische und katholische Religion.
In der Waldorfschule gibt es Epochen. Epochen sind Fächer, die man zwei oder drei Wochen hat. Es gibt außerdem Französisch, Englisch, Werken, Musikorchester, Handarbeit, Latein, Sport, Mathe, Deutsch, Sachkunde, Gesichte, Bauepochen. In Bauepochen erstellt man z.B. Mauern. In einer Klasse gibt es manchmal 30 bis 35 Schüler.
Unser Schulgelände
Wir haben im Gegensatz zu anderen Schulen einen riesigen Pausenhof, auf dem ca. 80% Rasen ist. Das Schulgelände ist 38.048,5 m² groß. Wir haben auch eine große Spielburg, wo man leider nur bis zur 7. Klasse spielen darf. Es gibt auch eine Reifenschaukel, auf der wir in der 4. und 5. Klasse viel getobt haben! Übrigens haben wir auch eine Turnhalle, die man zu Geburtstagen, Partys usw. mieten kann. In der Turnhalle ist auch eine Bühne, auf der unsere Schulfeiern aufgeführt werden.
Zum Klettern stehen überall Büsche und Bäume. Es gibt einen ganz großen und guten Kletterbaum, wo es ganz viele Möglichkeiten zum Klettern gibt.
Wir haben auch einen kleinen Spielplatz, wo ein Sandkasten ist. Sportunterricht können wir auch im Freien machen, denn wir haben ein großes Beach-Volleyball Feld, das die jüngeren Klassen auch als Sandkasten benutzen.
Ablauf des Tages und der Woche
Man muss Punkt 7:45 Uhr in der Schule sein, um 7:55 Uhr beginnt der Unterricht und um 9:45 Uhr ist große Pause.
Montags haben wir in der 6. Klasse um 10:00 Uhr die Epoche, eine Gruppe hat Werken, eine Gartenbau und eine Handarbeit. Zum Schluss hat die ganze Klasse Religion, um 12:40 Uhr hat die Gruppe A Eurythmie, dann ist Schluss.
Dienstags hat eine Gruppe Englisch und die andere Eurythmie. Zum Abschluss hat die ganze Klasse Musik. Um 11:50 Uhr bis 13:25 Uhr hat eine Gruppe Turnen die andere Englisch und Französisch danach haben beide Gruppen aus. Die Gruppe, die montags Handarbeit hatte, hat von 14:00 Uhr bis 15:35 Uhr Gartenbau.
Mittwochs haben wir, wie schon erwähnt Epoche, danach folgen Französisch und Lateinstunden. Von 12:40 Uhr bis 13:25 Uhr hat die Gruppe A Englisch und Gruppe B Eurythmie.
Donnerstags haben wir Englisch und Latein während die andere Gruppe eine Doppelstunde Turnen hat. Die ganze Klasse hat danach Französisch. Gruppe A geht nach der Französischstunde zu Eurythmie während die andere Gruppe Englisch hat. Von 14:00 Uhr bis 15:35 Uhr haben Kinder aus der 5. und 6. Klasse Orchester.
Freitags hat Gruppe A in der ersten Hauptunterrichtsstunde Klassenorchester, die andere Gruppe Französisch. Danach wird um 9:00 Uhr gewechselt. Dann haben wir Hauptunterricht während die andere Gruppe aus hat. Gruppe B hat nach dem Hauptunterricht noch Englisch.
Handarbeit
Handarbeit ist ein Fach, in dem man nähen, häkeln, stricken usw. lernt. In der ersten Klasse haben wir einen Ball aus Schafwolle gemacht und mit einem Stück Stoff umwickelt und zusammen genäht.
In der zweiten Klasse haben wir eine Puppe und einen Flötenbeutel gestrickt. In der dritten Klasse häkelten wir ein Ballnetz. In der vierten Klasse stickten wir eine Tasche. In der fünften Klasse strickten wir Socken und wer schon fertig war, der durfte auch noch Handschuhe stricken.
Jetzt in der 6. Klasse arbeiten wir an einem Tier. Wir durften uns auch Tiere aussuchen, die vier Beine haben, wie z. B. Kaninchen, Elefanten, Katzen, Bären, Hunde, Pferde... Als erstes mussten wir unser Tier mit Wachsmalblöckchen auf ein Blatt Papier malen. Danach haben wir es ausgeschnitten und ein Stück Stoff daraufgelegt. Dann haben wir mit einem Faden unser Tier zusammen genäht und mit Wolle ausgestopft.
Zeugnis
Am Ende des Schuljahres kriegen die Kinder der Freien Waldorfschule ihr Zeugnis, dieses ist das einzige Zeugnis im Jahr, denn in der Waldorfschule gibt es keine Halbjahreszeugnisse. In diesem Zeugnis gibt es keine Noten. Der Klassenlehrer schreibt zwei Seiten, auf denen steht, wie die Kinder in den verschiedenen Epochen des Hauptunterrichts waren. Die Fachlehrer, z. B. Musik, Englisch, Französisch usw., schreiben ungefähr zwei bis fünf Sätze, worin sie ebenfalls die Stärken und Schwächen der Kinder beschreiben. Der Religionslehrer oder die Religionslehrerin schreiben nur, dass das Kind am Unterricht teilgenommen hat.
Jedes Kind kriegt jedes Jahr einen neuen gut ausgewählten Zeugnisspruch, der auch im Zeugnis steht. Das Kind muss den Zeugnisspruch auswendig lernen und ihn an dem Wochentag, an dem es geboren ist, aufsagen. Auf der Rückseite des Zeugnisses stehen die Fehltage des Kindes im Schuljahr. Und zu guter Letzt kommt der Schulstempel auf das Zeugnis.
Fremdsprachenunterricht
Die Fremdsprachen haben in der Waldorfschule besondere Bedeutung. Dazu gehört ab der ersten Klasse Englisch und Französisch. Wir haben in der 6. Klasse dreimal Französisch und dreimal Englisch in der Woche. Wir schreiben jede Woche einen Test in Französisch und in Englisch, am Dienstag in Englisch und am Freitag in Französisch. In Englisch ist das Hauptthema: "Robin Hood" und Grammatikübungen.
In Französisch haben wir eine Lektüre von einem Mann, der aus dem Zuchthaus ausgebrochen ist. Aus der Lektüre lernen wir auch Vokabeln, zum Beispiel, dass das Zuchthaus "le bagne" heißt. Wir lernen auch mehrere Zeiten. Als erstes haben wir die Grundform, dann die "Passe compose"-Form die so viel heißt wie die "zusammengesetzte Vergangenheit". Danach kommt der Imperativ, was so viel heißt, wie die Befehlsform.
Als dritte Fremdsprache in der sechsten Klasse haben wir Latein. In Latein lernen wir, dass die Endung "us" männlich, die Endung "a" weiblich und die Endung "um" sächlich ist.
Der Gartenbau
Allgemeines
Der Gartenbau ist ein Teil der Schule. Wir empfinden ihn fast wie unseren eigenen Garten weil wir dort oft mithelfen und auch noch was lernen: z.B. Hacken, pflügen und pikieren. Meistens macht uns die Arbeit richtig Spaß.
In unserer Schule, im Schulgarten haben wir zwei Schafe. Sie sind sehr groß auch ein wenig aggressiv, aber im Grunde völlig ungefährlich. Sie wohnen in einem großen Stall mit viel Stroh und viel Wiese, sie haben auch eine Ziege als Mitbewohnerin. Dieses Trio knabbert oft und gerne an Herrn Wolters Obstbäumen. Wir haben auch ein Holzgehege wo sich zwei Schildkröten tummeln. Eine ist sehr groß, eine ist sehr klein und sie lassen sich oft und gerne füttern.
Unser Gartenbaulehrer bringt uns bei wie man pflügt, pikiert und Unkraut zupft. Wenn die Schafe und die Ziege an den Obstbäumen oder an den Erdbeeren knabbern, tritt hat er viel Mühe, sie wieder zu verjagen.
Pikieren ist eine Art zu pflanzen. Wenn die Pflanzen ungefähr 1-2 cm groß sind, werden sie pikiert. Sie werden aus der Einsaatkiste in eine Kiste mit verschiedenen Abteilungen gepflanzt, denn wenn sie älter werden brauchen sie mehr Platz und wenn sie wieder etwas gewachsen sind pflanzen wir sie ins Freiland. Wir pflanzen auch oft Gemüse in die Erde, z. B. Salat, Zwiebeln und Kohlrabi.
Wir haben sehr viele verschiedene Arten von Pflanzen in unserem Schulgarten, viele Jungpflanzen aber auch kleine Obstbäume. Wir ernten oft verschiedene Obst - und Gemüse Sorten: z.B. Rhabarber, Salat, Kartoffeln, Mangold, China-Kohl, Lauch Zwiebeln usw. Die Jungpflanzen werden in unserem Gewächshaus gezogen, bis sie ins Freiland gesetzt werden.
In der 4. Klasse haben wir eine Bauernepoche. Da lernen wir wie man pflügt. Ein Pflug ist ein Gerät, mit dem man die Erde auflockert - und dann kann man Samen in die Furchen streuen.
Geräte
Es gibt natürlich viele Geräte im Gartenbau, z. B. eine Bügelhacke, mit der man das Unkraut aus dem Boden hackt. Es gibt auch den Spaten. Mit diesem Gerät kann man große Flächen umgraben. Wir haben natürlich auch Besen, womit wir fegen, und Laubrechen, mit denen wir das Laub im Herbst zusammenfegen.
Der Verkauf
Manchmal müssen wir auch mit Blumen, Gemüse, Obst oder Zweigen auf dem Schulhof herumlaufen und die Sachen verkaufen, an Eltern, an Lehrer und manchmal auch an die Kindergärtnerinnen. Ja, Sie haben richtig gelesen, wir haben in unserer Schule auch einen Kindergarten.
Mensa
In vielen staatlichen Schulen, gibt es keine Mensa. Wir haben eine Mensa und dort wird das Essen sogar selbstgemacht und ist meistens aus biologischem Anbau.
Manchmal, wenn wir Gartenbau haben, müssen zwei Schüler in die Mensa und in der Küche helfen oder die Tische wischen und den Boden fegen. Manchmal müssen wir aber auch Biomüll aus der Mensa holen und im Gartenbau auf den Kompost schütten. Ab und zu müssen wir die Eierschalen aus dem Kompost suchen und sie dann mit Stäben zermahlen.
Schulfeier
Auf einer Schulfeier führt fast jede Klasse ein kleines Stück auf, z. B. ein Lied, einen Spruch, ein Musikstück oder ein kleines Theaterstück. Dazu sollte man noch wissen, dass donnerstags die Stücke nur für die Schüler gespielt werden und dann am folgenden Samstag werden die Eltern dazu eingeladen. Diese Feiern werden in unserer Turnhalle auf einer Bühne aufgeführt.
In der 5. Klasse haben wir ein englisches Theaterstück aufgeführt. Es hieß "Dick Wittington". Dafür haben wir fast in jeder Englischstunde geübt.
In der 6. Klasse haben wir ein Eurythmiestück aufgeführt. Dafür mussten wir lange üben, weil andauernd Kinder krank waren. Aber als wir es aufgeführt haben, ging es zum Glück gut.
Bei uns wird auch ein Christgeburtsspiel gespielt, das aber nicht von den Schülern, sondern von den Lehrern aufgeführt wird.
Eurythmie
In Eurythmie drücken wir mit verschiedenen Bewegungen Buchstaben aus. So können wir Wörter und sogar Sätze mit diesen Bewegungen bilden. Es gibt auch bestimmte Formen, die wir zu manchen Liedern benutzen können. In diesen Formen gehen wir vorgeschriebene Wege, wie zum Beispiel: Plätze wechseln, Spiralen, Kreise, Dreiecke und Achten laufen. Zu Gedichten laufen wir manchmal verschieden geformte Wege oder wir nehmen von jedem Wort den wichtigsten Buchstaben und machen die passende Bewegung.
Der Werkunterricht
Der Werkunterricht ist ein sehr beliebtes Fach, da verschiedene Materialien mit mehreren Werkzeugen, z. B. Stechbeitel, Hammer, Säge, Bohrmaschine, manchmal auch mit dem Beil bearbeitet werden können.
Ein Nussknacker war unser erstes Werkstück in der 6. Klasse, danach werkelten wir aus einem Stück Holz eine Schreibtischablage. Das kleine Holzschiff, das wir als letztes anfertigten, wurde fast ohne maschinelle Hilfe gebaut. Dabei wurde von unserem Werklehrer pingeligst auf Genauigkeit und Sauberkeit geachtet.
Auf die Wunschstunde freute sich die ganze Gruppe, da wir bauen konnten, was wir wollten, oder aber ins Wäldchen gehen konnten, um Materialien zu holen. Zum Ende der Stunde müssen entweder Jungen oder Mädchen den Werkraum fegen.
Klassenorchester - Mittelstufenorchester - Musik
Einmal pro Woche hat jede Klasse Musik. Dazu kommt dann noch ein Klassenorchester. Jedes Kind spielt ein Instrument, das es sich in der 3. Klasse aussucht. Der Musikunterricht ist dazu da, um alles über Noten, Melodien, Komponisten, Intervalle etc. zu erfahren. Das Klassenorchester wird in der 4. Klasse gebildet. Der erste Auftritt ist dann bei der Einschulung der Erstklässler.
Im Mittelstufen- und Klassenorchester werden klassische, aber auch moderne Stücke gespielt. Die eingeübten Stücke werden auch der Öffentlichkeit vorgetragen. Im Mittelstufenorchester spielt normalerweise die 5., 6. und 7. Klasse mit, im Moment spielen die 7. mit der 8. Klasse zusammen. Deswegen sind ein paar Kinder aus der 4. Klasse als Verstärkung mit dabei.
Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse





