Hauptunterricht

Acht Jahre Klassenführung

Während der Unter- und Mittelstufenzeit führt eine Klassenlehrerin oder ein Klassenlehrer seine Klasse acht Jahre hindurch, dadurch sollen die Kinder auf der Altersstufe zwischen dem Zahnwechsel und der Pubertät die Chance erhalten, im Vertrauensverhältnis zu einer geliebten, beispielgebenden Lehrerpersönlichkeit die Auseinandersetzung mit der Welt anzutreten.

Gliederung des Hauptunterrichts

Die ersten zwei Schulstunden des Tages ist immer der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin in ihrer Klasse. Diese Doppelstunde gliedert sich in drei wesentliche Teile:

  • Rezitationen, Singen und Musizieren: Wir nennen dies den "rhythmischen Teil"
  • Haupt- oder Lernteil: Hier wir nun das eigentliche Epochenfach (s. u.) unterrichtet
  • Erzählteil: Gegen Ende des Unterrichts werden unabhängig vom Lernfach fortlaufend altersgemäße Erzählstoffe an die Kinder herangebracht: Märchen, Fabeln, Altes Testament, Nibelungensage, Griechische und Römische Sagen, aus dem Leben der Indianer, Eskimos oder Berichte aus China, Japan usw.

Epochenunterricht

In allen Fächern, in denen sich die Schüler vor allem Kenntnisse und Einsicht erwerben müssen: Deutsch, Rechnen, Naturwissenschaften, Geschichte, Erdkunde bleibt die Klasse ungeteilt. Der Lehrstoff wird in geschlossenen Unterrichtseinheiten, den "Epochen", vom Klassenlehrer mehrere Wochen hindurch täglich behandelt. Nach Abschluss einer Hauptunterrichtsepoche wird das betreffende Fach für längere Zeit aus dem Stundenplan herausgenommen, ein anderes tritt an seine Stelle. Der Faktor des Vergessens - eine notwendige Begleiterscheinung jedes Lernens - wird dabei bewusst in Rechnung gestellt. Am Beginn einer Epoche mag es zwar so scheinen, als hätten die Kinder das früher Gelernte vergessen, doch nach einigen Tagen der Weiterführung und Wiederholung zeigt sich, dass die Inhalte der vergangenen Unterrichtsphase wieder auftauchen, oft sogar manche Schwierigkeiten, mit denen ein Schüler zu kämpfen hatte, nunmehr überwunden sind. Nach aller Erfahrung wird Gelerntes erst dann zu innerem Besitz verarbeitet, wenn man es aus dem Gedächtnis erneut heraufgeholt hat.

Schulbücher und technische Medien werden dabei grundsätzlich nicht eingesetzt. Die Schüler führen Epochenhefte, in denen sie - in den Anfangsjahren vom Lehrer an der Tafel vorgeschriebene, später diktierte, dann mehr und mehr selbständig verfasste - Texte eintragen und diese durch Zeichnungen veranschaulichen.